Das Brückenauer Stadtverderben
Schlaglichter von der Brandkatastrophe 1876
Alte Bilder
Wenn es die alten Bilder nicht gäbe, könnte sich niemand mehr vorstellen, wie das Städtchen an der Sinn vor dem Brand von 1876 ausgesehen hat. Passen Worte wie malerisch oder idyllisch? Die Zeichnungen der Schwestern Girl lassen solche Attribute durchaus zu. Auf einem anderen Blatt steht, wie die hygienischen und sanitären Verhältnisse waren. Zudem waren viele Fachwerkhäuser von eher schlechter Qualität und ziemlich altersschwach.
Was dem heutigen Bildbetrachter sofort auffällt, ist der ehedem geschlossene Mauerring um das kleine Nest, das sich nach dem Brand wie schutz- und wehrlos darbietet.
August 1876
In der Mitte des Monats August waren die Scheunen gefüllt. An den Häusern lagerten große Holzstöße für den nächsten Winter. Die Hohlziegel der Dächer waren mit Stroh unterlegt.
In der Nacht vom 13. zum 14. August gab es in der "Schwane" ein Tanzvergnügen. Die fröhliche und ausgelassene Stimmung wurde gegen Mitternacht unterbrochen durch den Schreckensruf: Es brennt - Feuer!! Möglicherweise brach es in der dem Gasthaus benachbarten Scheune aus und verbreitete sich, buchstäblich in Windeseile, in der westlichen Stadt, einen ungeheuren Funkenflug entfachend. Funken und Flammen, vom Wind nach Westen getrieben, entzündeten die Häuser und Scheunen, sodass innerhalb einer halben Stunde der ganze alte Stadtkern lichterloh brannte.
Rentamt und Landgericht, auf halber Höhe liegend und noch ziemlich neu, blieben verschont; ebenso, noch weiter westlich, das Gasthaus "Frankfurter Hof" und das Haus Schramm. Natürlich fühlten sich die Bewohner dieser Häuser immer noch gehörig bedroht. Aus Erzählungen in der eigenen Familie ist mir bekannt, dass man versuchte, das Haus mit feuchten Tüchern vor dem verheerenden Funkenflug zu schützen. Mit Schrecken in den Augen schauten die Bewohner zur Stadt hinauf, die in einem Flammenmeer unterging. Verzweifelte Menschen bemühten sich, ihre Habe und ihr Vieh zu retten, wobei die alte Stadtmauer und die engen Gassen sich als Sperre erwiesen.
Bei Kaspar Gartenhof, Geschichte der Pfarrei Brückenau, ist nachzulesen: "In der Nacht vom 13. zum 14. August 1876 ungefähr eine halbe Stunde vor 24 Uhr brach im Gasthaus "Zur Schwane" oder in dessen nächster Nähe der Brand aus, der schon eine Stunde später die Pfarrkirche erreichte und sie in Asche legte. Um 1 Uhr war der letzte Schlag der Kirchenuhr zu hören, kurz darauf stürzte der Turm in sich zusammen."
In vielen Tageszeitungen erschien der Aufruf eines Hilfskomitees. Ein Würzburger Professor, der gerade im Bad zur Kur weilte, hatte es gegründet. Im Aufruf heißt es: "Eine entsetzliche Feuersbrunst hat heute Nacht die Stadt Brückenau heimgesucht. Die Stadt ist mit aller Habe fast gänzlich zerstört, auch die mühevoll errungene Ernte, die einzige Hoffnung der Bewohner, ist vernichtet. Es mangelt am Notwendigsten, an Lebensmitteln, Kleidung, Viehfutter. Wir bitten dringendst alle edlen Menschenfreunde um schleunigste Beiträge zur Abhilfe der unermeßlichen Noth."
Fazit
Im 17. Jahrhundert gab es in Brückenau einige kleinere Brände, wie sie in der damaligen Zeit auch andernorts immer wieder passierten. Was sich jedoch 1876 ereignete, war in seinem Ausmaß einmalig. "Der Stadtbrand von 1876 war der wohl tiefste Einschnitt in die Stadtgeschichte Brückenaus, denn eine ganz neue Stadt entstand aus den Ruinen." (Wegner/Wehner, Bad Brückenau im Wandel der Jahrhunderte). 1877/78 wurde die Stadtpfarrkirche unter Verwendung der alten Mauern wieder aufgebaut. Der Turm wurde erhöht. Als Wahrzeichen der Stadt zieht er den Blick des Betrachters auf sich.
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