Wozu wurde Brückenau zum befestigten Ort gemacht ?Geistliche Landesherren als Konkurrenten
Wir blicken zurück aufs 13. Jahrhundert. Das Städtchen Brückenau an der Sinn wird zu einem befestigten Platz, einem Oppidum ausgebaut. Der Brückenauübergang steht unter Kontrolle. Feindlichen Kriegsleuten wird der Aufstieg durchs Leimbachtal in Richtung Volkersberger Höhe verwehrt.
Alte Verbindungsstraße
Wie kam es zu dieser Situation? Die Fuldaer Landesherren hatten ein großes Interesse an der alten Verbindungsstraße zwischen Fulda und Hammelburg. Das Städtchen Hammelburg im Saaletal war der südlichste Vorposten eines Territoriums, das ab Motten südwärts wie ein schmaler Keil in würzburgisches Gebiet hineinragte. Und das Oppidum an der Sinn, eben Brückenau, sollte der alten Nord-Süd-Route mehr Sicherheit verleihen.
Fuldaer Territorialpolitik
Im Jahre 1341 erhielt Brückenau das Mauerrecht. Der Ort hatte die Stadtbefestigung selbst zu unterhalten und zu überwachen. Turm- und Torwächter mussten bestellt werden. 1349 wurde zudem der Amtssitz von der Burg Schildeck nach Brückenau verlegt. Damit wurde dem Ort, der seit 1310 die Stadtrechte besaß, als Stützpunkt Fuldaer Territorialpolitik noch größeres Gewicht verliehen.
Einer möglichst effektiven Absicherung des Fuldaer Gebietes gegenüber Würzburg dienten auch einige Burganlagen, z.B. Motten, Werberg und Römershag. Ihre geographische Lage lässt erkennen, dass sie an der Nord-Süd-Linie tatsächlich strategisch wichtige Stützpunkte gewesen sein müssen.
Krummstab und Schwert
Beim Blick in die Geschichte ist zu bedenken, dass der Fürstbishof von Würzburg und der Fürstabt von Fulda nicht nur geistliche Herren mit einem Seelsorgsauftrag waren, sondern auch weltliche Landesfürsten. Sie predigten nicht nur das Evangelium, sondern waren auch zuständig für staatliche Ordnung und Verwaltung in ihrem Gebiet. Die Symbole ihrer doppelten Aufgabenstellung waren der Krummstab und das Schwert. Oft genug kam es vor, dass auch geistliche Landesherren sich bekämpften, um ihr Territorium zu verteidigen oder zu vergrößern.
Butterkrieg
Als Beispiel sei der sog. "Butterkrieg" erwähnt, bei dem sich der Würzburger Fürstbischof Hermann von Lobdeburg der fetten Weiden auf dem Dammersfeld, heute Teil des Truppenübungsplatzes Wildflecken, bemächtigen wollte. Im Jahre 1238 widersetzte sich der Fuldaer Abt Konrad von Malkos solchen Bestrebungen. Bei Brückenau stellte er die Würzburger und verfolgte sie bis Thulba, wo der Kampf siegreich für die Fuldaer entschieden wurde. 1242 unternahm der Würzburger Bischof einen zweiten Versuch und scheiterte auch diesmal.
Land der armen Leute
Kaspar Gartenhof meint, dass sich der Gegensatz zwischen Fulda und Würzburg ungünstig ausgewirkt habe, weil "das Schicksal unserer Landschaft bald unter das militärische Gesetz geriet" und eine glückliche Entwicklung verhinderte. Zudem erlangte der Adel in den Fuldaer Stiftslanden eine überragende Stellung, die er nicht zuletzt der Rivalität zwischen Fulda und Würzburg verdankte. "So war der Kreis Brückenau teils durch seine karge Natur, teils durch die traurigen politischen Verhältnisse dazu bestimmt, ein ‚Land der armen Leute' zu werden und durch die Jahrhunderte zu bleiben." (K. Gartenhof, Die Ortsnamen des Landkreises Brückenau).
Dem gegenüber ist jedoch allgemein festzustellen, dass geistliche Landesherren sich durchaus verantwortlich fühlten für das Wohl und Wehe ihrer Untertanen und sich dem kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt nicht verwehrten. Nicht umsonst entstand das geflügelte Wort: "Unter'm Krummstab ist's gut leben."
Ein gutes Beispiel dafür ist der Fürstbischof Julius Echter, der das Würzburger Juliusspital begründete. Und bei uns wurde der Fuldaer Fürstabt Amandus von Buseck 1747 zum Begründer des Bades Brückenau.
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