Dienstag, 7. September 2010

Brückenau und der Volkersberg

Im Jahr 1994 blickte Fulda auf 1250 Jahre Stadtgeschichte zurück. Diese Tatsache war für den Rhönklub der äußere Anlass, das Projekt eines besonderen Wanderweges zu verwirklichen. Er verläuft auf einer Strecke von 84 Kilometern zwischen Fulda und Hammelburg und kann dem Wanderer neben der Schönheit der Natur auch geschichtliche Zusammenhänge nahe bringen. Er hat den Namen "Abtsweg".Im südlichen RhönvorlandDer "Abtsweg" führt auch durch den ehemaligen Landkreis Brückenau; denn das Gebiet zwischen Brückenau und Hammelburg (geographisch eine nach Süden sich erstreckende schmale Landzunge) stand unter fuldischer Herrschaft. Nur am Rande sei beispielsweise darauf hingewiesen, dass es in Brückenau bis in die heutige Zeit den Namen Altfuldisch gab. Wir befinden uns im südlichen Rhönvorland, also der waldreichen Rhön, und wandern von Brückenau aus zum Volkersberg (552 m). Er bildet zusammen mit dem in südlicher Richtung gelegenen Dreistelz (660 m) und den drei Pilsterköpfen eine "Kuppendreieck", das in markanter Weise das Landschaftsbild um Brückenau prägt. Auf dem "Kleinen Sinai"Am Fuß des Volkersberges liegt Volkers, ein Ortsteil von Brückenau. Der Basaltkegel könnte auch Kreuzberg heißen; denn die Kreuzverehrung hat hier eine alte Tradition. Von Kreuzwallfahrten wird über Jahrhunderte hinweg berichtet.Ein Chronogramm am Portal der Westfassade der Wallfahrtskirche enthält die Worte "In Monte Sinai". Unwillkürlich denkt man dabei an den berg Sinai, auf dem Mose eine besondere Gottesoffenbarung empfing, die 10 Gebote. Als Tatsache bleibt festzuhalten, dass der Volkersberg als Wallfahrtsort, zu dem Gläubige aus allen Richtungen pilgerten, zunehmend an geistlich-kirchlicher Bedeutung gewann. Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist der Name "mons populorum" (Völkerberg), der in alten Schriften auftaucht. Abt Wolfhelm, der 29. Abt in der Reihe der Fuldaer Äbte seit Sturmius (er gründete 744 im Auftrag des Bonifatius die Benediktinerabtei Fulda), ließ auf der Basaltkuppe zur Verehrung des hl. Kreuzes als erstes Gotteshaus eine Kapelle bauen. Um 1450 und später existiert auf dem Berg eine Kreuzbruderschaft.  Das sog. Mirakelkreuz (im Eingangsbereich der Kirche) stammt aus der Zeit um 1500. 1658 wird den Franziskanern vom Fuldaer Abt die Kapelle zum Hl. Kreuz übergeben. 1678 wird eine neue Kirche feierlich eingeweiht. 1955 kauft das Bischöfliche Ordinariat Würzburg das Haus der Missionsdominikanerinnen von Neustadt am Main und 1966 das Franziskanerkloster mit Wallfahrtskirche. Ein Jugendhaus und eine Landvolkshochschule werden eingerichtet.Der Volkersberg ist inzwischen längst zu einem Zentrum katholischer Jugend- und Erwachsenenbildung geworden, das in seiner kulturellen Bedeutsamkeit über die Grenzen des Bistum Würzburg hinausreicht.
 
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